Schnüsch

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„Hä???“ wird mancher denken. Schnüsch ist ein Angelner Nationalgericht. Über die Grenzen von Angeln hinaus – das ist die Landschaft zwischen Schlei im Süden und Flensburger Förde im Norden – ist Schnüsch allenfalls noch im südlichen Dänemark bekannt. Es handelt sich um einen einfachen, bäuerlichen Eintopf. Im Frühsommer plündert die Bäuerin ihren Garten und holt sich ins Haus, was gerade da ist. Wurzeln (woanders sagt man Möhren oder Karotten), Erbsen und Kartoffeln sind immer drin. Bohnen und Kohlrabi sind die geläufigsten unter den weiteren Zutaten. Dazu noch reichlich Petersilie. Und gekocht wird das Ganze in Milch!

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Wie es bei solchen Traitionsgerichten meistens der Fall ist, gibt es natürlich 100.000 Varianten (Angeln hat, Flensburg mitgerechnet, knapp 200.000 Einwohner). Aber eins ist Pflicht und immer dabei: Schinken. In unserem Fall Holsteiner Katenschinken. Und damit sind wir beim eigentlichen Thema: Es geht um geschützte Lebensmittel mit EU-Siegel. Peter G. Spandl betreibt den Blog Aus meinem Kochtopf. Er hat mit seinem Blog-Event „Genusserbe“ Die Frage in den Raum geworfen, wer in seiner Region EU-geschützte Produkte kennt. Schleswig-Holstein steht mit 6 geschützten Produkten im Vergleich zu anderen Bundesländern gar nicht so schlecht da. Alle haben das Siegel g. g. A. (geschützte geografische Angabe). Es handelt sich um:

  • Dithmarscher Kohl
  • Holsteiner Karpfen
  • Holsteiner Katenschinken
  • Holsteiner Tilsiter
  • Lübecker Marzipan
  • und, neu mit dabei: Glückstädter Matjes!

Peter G. Spandl gibt als Region einen Radius von 100 km vor. Von Angeln aus ist das nicht ganz so einfach. Gut, bis Kiel sind es knapp 100 km. Von dort kommt der Katenschinken, genauer gesagt vom Hof Steffen in Muxall. Das zweite geschützte Produkt, das hier ins Spiel kommt, ist der Glückstädter Matjes. Auch er dient durchaus als Beilage zum Schnüsch. Dies ist nicht sooo geläufig, und hier an der Flensburger Förde kaum bekannt. Wenn man aber etwas recherchiert, stößt man immer wieder auf diese Variante. Bis Glückstadt sind’s übrigens gut 150 km.

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Das sind sie, die Beilagen zum Schnüsch. Der Holsteiner Katenschinken ist sehr mild, saftig, fast weich und wird grundsätzlich recht dick geschnitten (auch zum Spargel!). Und er wird auf einem Brett serviert. Es ist allgemein üblich, etwas grob gemahlenen Pfeffer über den Schinken zu geben. Matjesfilets werden ebenfalls separat serviert, aber auf einem Teller. Die glückstädter sind etwas salziger als holländische Matjes.

Wir widmen uns jetzt erstmal dem Schnüsch. Vier Portionen. Und ich war auf dem Markt. Es gab tatsächlich frische Erbsen und Bohnen, wenn auch aus Spanien bzw. Italien. Wir sind ja noch etwas früh! Aber alleine für’s Foto ist das dann schon ganz okay. 1 kg Erbsen (netto 300 g), 350 g Bohnen, 1 Kohlrabi (500 g), 1 Bund Wurzeln (500 g) und ein Bund Glatte Petersilie. Kartoffeln (400 g) sind im Haus und der Fischhändler hat die Matjes im Sortiment. Wenn man alles tatsächlich in der Milch kochen will, muss man die unterschiedlichen Garzeiten der Zutaten gut im Griff haben! Wer auf Nummer sicher gehen will, gart die Gemüse einzeln. Und so mache ich es: Die Kartoffeln werden mit Schale gekocht, gepellt und geschnitten. Kohlrabi und Wurzeln werden geschält, geschnitten und im Dämpfer gegart. Die geputzten Bohnen koche ich dann tatsächlich in reichlich 1 Liter Milch, die ich gleich zu Beginn mit etwa 60 g Mehlbutter andicke, und statt Salz gebe ich 50 g von Urgroßmutters Suppenwürze zu. Kurz vor Ende der Garzeit kommen die Erbsen dazu. Wenn auch die gar sind, werden Wurzeln, Kohlrabi und Kartoffeln nur noch einmal in der Suppe erhitzt. Mit Salz abschmecken, eine große Handvoll gehackte Petersilie und einen ordentlichen Stich Butter unterrühren und dann servieren. Pfeffer verwende ich in der Suppe nicht.

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Wer jetzt immer noch mit dem Kopf schüttelt und sich das nicht so richtig vorstellen kann, sei an dieser Stelle aufgemuntert, es einfach mal zu kochen. Es ist unglaublich lecker: ALLERBESTER KRAM!

eugeschuetzt_130x250Wie bereits erwähnt, ist dies ein Beitrag zum Blog-Event „Genusserbe“ von Peter G. Spandl.

REZEPT

2 Kommentare

  1. Hallo Peter,
    ich habe mir soetwas schon gedacht 😉 Alles ist gut.
    Beste Grüße
    Tilo

  2. Hallo Tilo,
    vielen Dank für Deinen Beitrag. – Leider komme ich erst jetzt dazu, diesen zu kommentieren. Wie Du vielleicht auf FB gesehen hast, habe ich eine Riesenbaustelle im Haus, die leider immer noch nicht abgeschlossen ist.
    Das ist auch der Grund, warum die Zusammenfassung auf meinem Blog noch nicht angefertigt und veröffentlicht wurde.
    Sorry – aber es wird noch. In den nächsten Tagen garantiert!

    Grüße in den Norden;
    Peter

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